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Simone Weil

 

 

CAHIERS

 

Aufzeichnungen aus

den Jahren 1940/42

 

 

Die Welt ist ein Text mit mehrfachen Bedeutungen, und man gelangt von einer Bedeutung zur andern durch eine Arbeit. Eine Arbeit, an der immer auch der Körper beteiligt ist,  wie, wenn man das Alphabet einer fremden Sprache erlernt, dieses Alphabet der Hand durch beständiges Schreiben der Buchstaben geläufig werden muss.

        Ohne dies ist jede Veränderung unserer Denkungsart eine Täuschung.

 

 

 

 

Das Unendliche, das im Menschen ist, ist einem kleinen Stück Eisen preisgegeben; so ist das menschliche Dasein beschaffen; Ursache dessen sind Raum und Zeit. Unmöglich, dieses Stück Eisen zu handhaben, ohne dass plötzlich das Unendliche im Menschen sich auf einen Punkt der Spitze, einen Punkt des Griffes zusammenzieht, um den Preis eines zerreißenden Schmerzes. Für Augenblicksdauer ergreift dieser Schmerz das ganze Sein, so dass für Gott kein Platz mehr bleibt, sogar bei Christus nicht, bei dem zumindest der Gedanke an Gott nur noch der einer Beraubung ist. Dahin muss man gelangen, damit es zur Inkarnation kommt. Das ganze Sein wird ein Gottes-Beraubtsein; wie könnte man darüber hinausgehen? Danach bleibt nur noch die Auferstehung. Um dahin zu gelangen, bedarf es der eisigen Berührung des nackten Eisens.

        Bei der Berührung des Eisens muss man sich von Gott getrennt fühlen, sonst ist es ein anderer Gott. Die Märtyrer fühlten sich nicht von Gott getrennt, aber es war ein anderer Gott, und es war vielleicht besser, kein Märtyrer zu sein. Der Gott, in dem die Märtyrer auf der Folter und im Tode die Freude fanden, steht jenem Gott nahe, den das römische Reich von Amts wegen annahm und in der Folge anderen durch Ausrottungen aufzwang.

 

 

 

 

Man liest, aber man wird  auch von andern gelesen. Interferenzen dieser Lesarten. Jemanden zwingen, sich selbst zu lesen, wie man ihn liest (Sklaverei). Die andern zwingen, einen zu lesen, wie man sich selbst liest (Eroberung).

        Mechanismus?

        Meistens ein Gespräch zwischen Leuten, die taub füreinander sind.

 

 

 

Aus:

Simone Weil

Zeugnis für das Gute

Spiritualität eine Philosophin

 

Aus dem Französischen übersetzt und herausgegeben von  Friedehelm Kemp

 

Benziger Verlag

 

 

 

Anhang

 

Nachbemerkung des Herausgebers

 

Vierunddreißig Jahre war Simone Weil alt, als sie am 24. August 1943 in Ashford starb: erschöpft, entkräftet, entleert. Sie hinterließ, außer den bereits zu Lebzeiten veröffentlichten Beiträgen in Zeitschriften, ein so bedeutendes wie einzigartiges Werk: politische, philosophische, religiöse, poetische Schriften, abgeschlossene und unvollendete; über zwanzig Hefte mit Betrachtungen, Notizen, Auszügen aus Büchern; Briefe an Freunde, die Familie, an Schriftsteller und Politiker. Der größte Teil dieses Nachlasses ist seit 1947 erschienen; zwei umfangreiche Biographien liegen vor; auch an Kommentaren fehlt es nicht. Mit der Frage aber danach, wer Simone Weil gewesen sei und worin ihre Bedeutung für uns liege, haben die sich gelegentlich befehdenden Ausleger bisher eher Verwirrung angerichtet als Klarheit gestiftet.

 

Studentin, Lehrerin der Philosophie; Fabrikarbeiterin, Landarbeiterin; pazifistische, sozialistische, anarchistische Demonstrantin und Kombattantin; Anhängerin der Résistance, Mitarbeiterin der französischen Exilregierung in London; Schülerin Alains, Jüngerin Platos, Leserin der Bhagavadgita und der Upanishaden; Fürsprecherin der Gnostiker, Manichäer, Katharer; emanzipierte Jüdin,  ungetaufte Christin – Simone Weil war dies alles. Keine dieser Gesinnungen, Haltungen und Tätigkeiten erlaubt jedoch, sie als irgendeiner Observanz angehörig, als Sozialistin, Platonikerin, Christin etwa, zu resümieren. Trotzdem ist das, wodurch sie Menschen in den verschiedensten Lagern überzeugt hat, gerade die Folgerichtigkeit ihres auf das Unbedingte gerichteten Lebens, Handelns, Denkens und Schreibens; entscheidend, mehr als die Herkünfte, die Referenzen, sind dabei die Intention, die Richtung und die Konsequenz, mit der diese Richtung verfolgt wird; die Intensität des Wartens, Flehens, Forderns.

 

Der Anteil des Hinduismus, des Platonismus, der Orphik, des Stoizismus an ihrem Denken ist unverkennbar; sie liest das Neue Testament im Licht der Upanishaden, Homers und der Politeia. Das muss man wissen, um manche Abbreviatur ihres Denkens angemessen zu entschlüsseln. Das sind ihre „Brücken“, ihre metaxy; wichtiger jedoch ist das eigene Gesetz, die Berufung zum eigenen Wort, in ihre Zeit und unsere.

 

Simone Weil war – dieser Angelpunkt ist festzuhalten, aus ihm dreht sich ihr Wort -, Simone Weil war ein Mensch des Schmerzes, der Leiden, der Mit-Leidenschaft. Seit dem zwanzigsten Lebensjahr litt sie an oft unerträglichen Kopfschmerzen, die selten aussetzten, die sie bisweilen um ihren Verstand fürchten ließen und sie der Versuchung zum Selbstmord nahe brachten. Dies bestimmt die Lektüre (der Bücher, der Menschen, der Welt), bestimmt den Stil (des Denkens, Schreibens) von Grund auf. Es geht Simone Weil um Nahrung, um Speise; doch jedem ihrer Gerichte ist dieses Salz des eigenen Schmerzes beigemischt; man soll es herausschmecken und erkennen, dass es die Würze der Gedanken ist.

 

Mit Kierkegaard ist Simone Weil der Überzeugung, dass das Leiden recht eigentlich das Kennzeichen des Gottesverhältnisses oder der Liebe Gottes ist. Dieses „Zerschneidende“, das Schwert, zu lieben, und zugleich ein Mensch der Kontemplation zu sein, ein Schauender, der sich am Anblick der Schönheit sättigt – dies in eins empfunden, gedacht, gelebt zu haben in einer Zeit des Krieges, der Verfolgungen, der Ausrottungen, ist wohl ein Äußerstes unseres Jahrhunderts, wenn man sich bewusst bleibt, dass Simone Weil jederzeit bereit gewesen wäre, sich selber dem Ärgsten, dem Schmählichsten auszusetzen.

 

Das Schöne ist wirkliche Gegenwart Gottes im Stoff, ein Sakrament; es ist „die Frucht, die man betrachtet, ohne die Hand nach ihr auszustrecken“; es ist Herabkunft Gottes, die nicht der Schwerkraft unterworfen ist: in den abwärtssteigenden Noten der Musik etwa „zugleich sinnlicher Abstieg und geistlicher Aufstieg. Dies ist das Paradies, das jedes Wesen begehrt: dass der natürliche Hang es aufsteigen lasse zum Guten.“

 

Das Gute aber ist, über Sein und Existenz hinaus, der Name des Absoluten, den Simone Weil allen anderen vorzieht. Was dieser Name sagt, zu denken, genügt, um sich ihm, ihm allein, zu weihen, um einzig das Gute zum Kriterium allen Denkens und Tuns zu machen.

 

Diese Eigenart ihres Geists, so kompromisslos auf das Unbedingte zu dringen und es zugleich als das dem Menschen Unmögliche zum Gericht über ihm aufzurichten, hat Simone Weil vielfach den Vorwurf der Exzentrizität, auch wohl der Unmenschlichkeit eingetragen, könnte auch manchen veranlassen sie im Bereich der praktischen Moral, des politischen Handelns als eine weltblinde Rigoristin abzutun, wenn dieses Dringen auf das Unbedingte nicht durch drei Momente entscheidend modifiziert, verschärft noch, wenn man will, doch zugleich auch unendlich anwendbar würde. Einmal dadurch, dass unsere der harten Notwendigkeit, dem Gesetz der Schwerkraft unterworfene Welt für Simone Weil ein Kosmos, eine Welt der Proportionen, der Ebenen und Stufen ist, in der, was Heimito von Doderer gerne als Geistesmechanik“ bezeichnet hat, sich so auswirkt, dass nichts auf allen Stufen gleich war ist; dass kein Problem auf der Ebene gelöst werden kann, auf der es sich stellt.

 

Hinzu kommt, dass Simone Weil, was in diesem Auswahlband vielleicht nicht dem ganzen Reichtum seiner Anwendungen nach in Erscheinung tritt, sich immer und überall eines Phänomens bewusst blieb, das in ihrer Sprache lecture heißt: Lesart, Auslegung, die oft nur aus Meinungen, Konventionen, Illusionen zusammengebraut, kaum Lesen heißen dürfte, jedenfalls niemals beanspruchen kann, als der ausschließliche Sinn eines eindeutigen Sachverhalts zu gelten, und die deshalb auf jeder neuen Stufe, von jedem veränderten Standpunkt aus abermals der Interpretation, der Übersetzung bedarf. Und hier glaubte Simone Weil auch, in dem Schlüssel der  Analogie ein Werkzeug zu haben, mit dem sich die überlieferte Bilderwelt der Mythen und Märchen wieder fruchtbar machen ließe.

 

Sie hielt dies für dringlich, denn sie war überzeugt, dass der Geist der Bilder zu seiner Nahrung bedürfte, ihrer Unerschöpflichkeit, ihrer Spiegelkräfte wegen.

 

Diese beiden, Stufung und Übersetzung, werden durch ein Drittes überwogen und in das Mühlwerk der Erfahrung geschüttet: durch die Grundüberzeugung, dass Wahrheit nicht stattfindet ohne leiblichen Vollzug; ohne dass der eigene Körper als Hebel, als Waage mit dabei sei und den Ausschlag gebe; ohne dass die Arbeit, die Anstrengung – auch die des Gedankens, ja diese vor allen – ihn durchdringe, ihn in Mitleidenschaft ziehe; die Überzeugung, dass es, mit Konrad Weiß, unstatthaft (und auch unmöglich) sei, im Geiste reifer sein zu wollen, „als man in der Sünde seiner Natur ist“; dass es um die Fleischwerdung auch der geringsten Wahrheit gehe; dass dies ein Sterben sei; und in das Schweigen münde.

 

Hieraus erklärt sich, dass Wörter wie Gnosis oder Mystik, trotz mancher Affinitäten, nicht ausreichen, um Simone Weils Geistesart zu charakterisieren. Es wäre deshalb schön, wenn man sie ohne Etikett lassen könnte, um statt dessen ihre Impulse auf sich wirken, in sich fortwirken zu lassen. Die Menschen des Zeugnisses hat noch keiner je eingefangen; sie spotten der Netze und Fallen; aber adlerhaft ist ihre Gewalt des Emporreißens.

 

„Das Höchste ist nicht, das Höchste verstehen, sondern es tun.“ Angemessene Kommentare zu Simone Weils Gedanken wird man nicht anders finden als auf diesem Wege; und sei es durch den winzigsten Schritte. Denn welcher Leser wollte sich hier ein Urteil oder gar Zuständigkeit anmaßen? Eine Anleitung freilich, Winke übergenug fände er bei Kierkegaard, in den späten Tagebüchern aus den Jahren vor dem Zusammenbruch; etwa in dieser Eintragung aus dem Jahre 1852:

 

„Alle, die dem Unbedingten gedient haben, sie haben alle zuerst jenen Druck erfahren, der sie gleichsam zerschmetterte, doch ohne sie umzubringen, jenen Druck, der sie dann wieder unendlich erhob, unter welchem Druck aber doch ihr ganzes Leben stand, und kraft welchen Druckes ihr Leben das war, was es war …

 

Dieser Druck ist wie ein Sonnenstich unmittelbar aufs Gehirn. Es ist das Unendliche, durchdringend gesammelt auf einen einzigen Punkt und einen einzigen Augenblick.

 

Wir anderen Menschen können es nicht ertragen, dem Unbedingten so nahe zu kommen, wir entfernen es deshalb stets ein wenig von uns, wie man sich einhüllt, um sich vor dem Sonnenstich zu schützen. Unser Verhältnis zum Unbedingten wird deshalb nur zu einem Reflexionsverhältnis oder geschieht in Reflexion.

 

Im übrigen kann kein Mensch sich selber das Unbedingte so nahe bringen, er kann das nicht, und kein Mensch dürfte das auch wagen, da dieser Druck, dieser Sonnenstich wie die schrecklichste Lebensgefahr ist, etwas ist, vor dem jeder Mensch zurückschaudern müsste, wie vor dem, was schrecklicher ist als der Tod.

 

Es ist die Vorsehung selbst, die dem Menschen das Unbedingte so nahe bringt oder ihm den Sonnenstich des Unbedingten beibringt. Und insofern ist es wieder die höchste Wohltat, die einem Menschen erzeigt werden kann.“

 

Diese Auswahl aus den Schriften Simone Weils umfasst ausschließlich Schriften aus ihren drei letzten Lebensjahren: Traktate, Briefe und Aufzeichnungen. Die Aufzeichnungen bedürfen, da Simone Weil durch sie zuerst bekannt geworden ist, einiger Anmerkungen.

 

Fernzuhalten ist vor allem die Vorstellung, wir hätten es mit sogenannten Tagebüchern zu tun. Es handelt sich vielmehr um Notizhefe, Arbeitskladden, die nicht ein einziges autobiographisches oder sonstiges Zeitereignis festhalten. Es sind jedoch auch keine „Schmierhefte“ mit Entwürfen, sondern einigermaßen fortlaufende Niederschriften von Gedanken, Betrachtungen, untermischt mit Exzerpten, Zitaten, Hinweisen, mathematischen Formeln; alles in Simone Weils klarer, schmuckloser Schrift; die Deckel der Hefte, außen und innen, häufig mit mathematischen Symbolen, französischen, lateinischen, griechischen und Sanskrit-Zitaten bedeckt.

 

Gustave Thibon, dem die „Cahiers de Marseille“ vor der Abfahrt nach Casablanca Ende April 1942 übergeben worden waren, hat 1947 als erster, mit Geschick und Einfühlung, den Versuch unternommen, Simone Weils Grundgedanken unter neununddreißig Merkworten in eine Ordnung zu bringen und ihren Zusammenhang erkennen zu lassen. Anhaltspunkte für eine solche Aufteilung fand er in den Aufzeichnungen selber, vor allem in Gestalt häufig wiederkehrender Stichwörter, einmal jedoch auch als eine Liste, die vielleicht so etwas wie den Entwurf zu Kapitelüberschriften einer möglichen Auswahl aus diesen Notizen darstellt. Diese Liste lautet: „Lesart – dunkle Nacht – zweifache Beziehung der Gegensätze – Schwerkraft – Gleichgewicht – Einbildungskraft – Grenzenloses und Grenze – Ähnlichkeit zwischen dem Niedrigsten und dem Höchsten – Umkehrungen – Leere – senkrechte Rangordnung.“

 

Wie ein Vergleich mit den drei Bänden der vollständig publizierten „Cahiers“ erkennen lässt, ist es bei diesem Unternehmen, unausweichlicherweise, nicht ohne Zurechtrückungen, Anstückelungen, Glättungen, gelegentliche Eingriffe in den Wortlauf abgegangen, die nun insgesamt auch einen stilistischen Effekt hatten: Simone Weils Notizen nahmen sich in Thibons Anordnung und Zurechtstutzung sehr viel mehr wie Aphorismen und Maximen aus, als dies in den Heften selber der Fall ist. Sie schien damit die Tradition der französischen Moralisten, unter den geistlichen etwa eines Fénelon mit seinen „Maximes des Saints“, fortzusetzen. Verloren gingen dabei das Improvisierte, das Prozesshafte dieser Niederschriften, ihr unaufhörliches Suchen, Fragen und Anrufen; die Spannung, das Sich-Verketten, das Gewebe; das Schritt-vor-Schritt-Setzen der immer weiter fortgezogenen, immer willigeren Meditation, das zuletzt über Seiten und Seiten hinweg zu Gebilden führt, die man Litaneien des Denkens nennen möchte.

 

Unweigerlich entstand in Thibons Auswahl für den Leser der Eindruck, er habe hier meist so etwas wie endgültige Formulierungen, Resultate vor sich; an denen sich nun Korrekturen anbringen ließen, die Richtigstellungen, Gegenbehauptungen herausforderten. Dieser Eindruck sollte bei der vorliegenden Auswahl aus den „Cahiers“ vermieden werden. Dass, bei der Überfülle des Materials, Auslassungen, Streichungen, Raffungen auch hier mit in Kauf genommen werden mussten, versteht sich von selbst; schon um die Anmerkungen nicht durch die Entschlüsselung zahlloser Details zu belasten; doch auch um des Gesamteindrucks willen. Was dem Herausgeber vorschwebte, war so etwas wie ein aus Bruchstücken unermüdliche sich fortsetzender und erweiternder Zusammenhang des Ausschreitens. Nicht einzelne Gedanken sollten dem prüfenden Nachdenken angeboten werden, als vielmehr ein Sinn, eine Gesinnung sich auswickeln in einem Zeugnis.

 

 

 

 

Anmerkungen

 

Simone Weils hauptsächliche Lektüre in den letzten Jahren ihres Lebens sind die Upanishaden des Veda, die Bhagavadgita („Der Gesang des Erhabenen“), Plato, das Neue Testament, zuletzt auch Suzukis Essays über den Zen-Buddhismus, die sie durch René Daumal kennenlernte. Vor allem aus den Upanishaden und der Gita, die Simone Weil noch in den letzten Monaten in London beschäftigt hat, finden sich in den „Cahiers“ häufige Zitate und längere Auszüge. Einige der wichtigsten Grundbegriffe des Veda (des „heiligen Wissens“’), so wie sie in der Bhagavadgita (einer Episode aus dem umfangreichen indischen Heldenepos Mahabharata) verwendet werden, hat Simone Weil selber folgendermaßen kommentiert (CA II, 338f.):

 

        Brahman: „in der Gita der unpersönliche Gott.“

 

        Atman: „bald die Person im gewöhnlichen Sinne, bald auch das transzendentale Subjekt (im Sinne Kants), das mit Gott wesensgleich ist.“

 

Dharma: „wörtlich Gleichgewicht. Bezeichnet die Weltordnung – die Gerechtigkeit (auch Gesetz, Recht oder Pflicht, doch ist Gerechtigkeit fas immer die bessere Übersetzung) – und für jedes menschliche Wesen die eigene Verpflichtung (die Berufung).“

 

Gunas: „Kräfte, die unter verschiedenen Gestalten Alle drei in unendlich veränderlicher Proportion in ausnahmslos allen irdischen Erscheinungen, physischen wie psychischen, selbst den höchsten, vorhanden sind. Es sind dies: die herniedersteigende, die ausdehnende, die aufsteigende Kraft: Finsternis (Tamas), Leidenschaft (Rajas), Wirklichkeit (Sattva).“

 

 

Aus der griechischen Philosophie übernimmt Simone Weil den Begriff der metaxy (das Dazwischenliegende) und versteht darunter alle zeitlichen Güter, die dem Menschen als eine Brücke zum Göttlichen dienen können und deren er deshalb nicht beraubt werden darf: „jene vermischten und relativen Güter (Heim, Vaterland, Überlieferungen, Kultur usw.), welche die Seele wärmen und nähren und ohne welche, außerhalb der Heiligkeit, ein menschliches Leben unmöglich ist.“

 

In Platos Politeia (Der Staat, VIII. Buch) findet sich das „Höhlen-Gleichnis“, auf das Simone Weil wiederholt anspielt. Von dem „großen Tier“, das heißt der Menge, der Masse, die nur nach Meinungen, Vorurteilen Reflexen urteilt und handelt, ist im VI. Buch der Politeia die Rede; Simone Weil übernimmt den Begriff, erweitert ihn zu dem des „sozialen Tieres“ und fasst darunter den Gesamtbereich der Herrschaft des Politisch-Sozialen zusammen: die Nation, eine Partei, das Kollektiv überhaupt: Aller Götzendienst gilt nur dem Großen Tier…“

 

Zitate aus dem Neuen Testament (Evangelien und Offenbarung Johannis) werden in der Regel nicht eigens nachgewiesen.

 



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