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CHRISTENTUM

 

 

Damit das Christentum sich wahrhaft inkarniere, damit die christliche Offenbarung (inspiration) das ganze Leben imprägniere, muss man zuerst erkennen, dass historisch gesehen unsere weltliche Zivilisation einer religiösen Offenbarung entspringt, die, obwohl chronologisch vorchristlich, in ihrem Gehalt (essence) christlich war.

 

Aus: „Entwurzelung – Einwurzelung“

 

 

So lange die Täuschung einer prinzipiellen Kluft zwischen sogenanntem Heidentum und Christentum aufrechterhalten bleibt, wird das Christentum nicht inkarniert werden, nicht so, wie es soll, das ganze profane Leben durchdringen; es wird davon abgetrennt und folglich unwirksam bleiben.

Wie sehr würde sich unser Leben ändern, wenn man einsähe, dass die griechische Geometrie und der christliche Glaube der nämlichen Quelle entsprungen sind!

 

Aus: „Lettre à un religieux

 

 

Ich empfinde schon seit langem ein intensives und ständig wachsendes Bedürfnis nach der Kommunion. Wenn man das Sakrament als ein Gut ansieht, wenn ich es selbst so ansehe, wenn ich es begehre, und wenn man es mir verweigert ohne irgendeinen Fehler von meiner Seite, so doch nur, weil eine grausame Ungerechtigkeit vorliegt. Wenn man mir die Taufe zubilligt, bei der Haltung, auf der ich beharre, in diesem Falle bricht man mit einer Gewohnheit von wenigstens siebzehnhundert Jahren. Wenn dieser Bruch gerecht und wünschenswert ist, wenn er gerade heute zum Heil des Christentums für mehr als lebensnotwendig und dringend befunden wird – was in meinen Augen feststeht -, so ist es für die Kirche und für die Welt nötig, dass er, der Bruch mit der Gewohnheit, in aller Öffentlichkeit geschieht (d´une manière éclatante [dass er Aufsehen erregt)) und nicht durch den einsamen Entschluss eines Priesters, der eine Taufe heimlich und ohne irgend jemandes Wissen vollzieht. Aus diesem Grunde und einigen anderen von gleichem Gewicht habe ich bis jetzt niemals an einen Priester die förmliche Bitte um die Taufe gerichtet. Ich tue es auch jetzt nicht…“

 

Aus: „Pensées sans ordre“

 

 

Es würde doch genügen – so wie es in der Praxis schon mehr oder weniger geschieht -, durch eine offizielle Erklärung auszusprechen, dass eine Zustimmung des Herzens zu den Mysterien der Trinität, der Inkarnation, der Erlösung, der Eucharistie und zum Offenbarungscharakter des neuen Testamentes die einzige Vorbedingung ist für den Zugang zu den Sakramenten. Dann könnte der christliche Glaube ohne Gefahr, dass die Kirche Tyrannei über die Geister ausübt, seinen Platz im Mittelpunkt des gesamten weltlichen Lebens einnehmen und aller Handlungen, aus denen es besteht; er könnte alles, absolut alles mit seinem Licht durchdringen. Es ist der einzige Weg des Heils für die unglücklichen Menschen von heute.“

 

Aus „Pensées sans ordre“

 

 

Unaufhörlich reden auf den Feldern die Sonne und der Saft der Pflanzen von dem, was auf der Welt das allergrößte ist. Wir leben von nichts anderem als von der Sonnenenergie; wir essen sie, und sie ist es, die uns aufrecht hält, die unsere Muskeln in Bewegung setzt, die leibhaftig all unsere Handlungen bewirkt. Sie ist vielleicht, in verschiedener Gestalt, das einzige Wesen im Weltall, das eine der Schwerkraft entgegengesetzte Macht darstellt; sie ist es, die in den Bäumen aufsteigt, die mit unseren Armen Lasten hebt, die unsere Kräfte antreibt. Sie geht aus einer unerreichbaren Quelle hervor, und dieser können wir uns nicht um einen einzigen Schritt nähern. Unaufhörlich kommt sie zu uns herab. Aber obgleich sie uns umhüllt, können wir sie nicht fassen. Nur das Pflanzenelement es Chlorophylls kann sie für uns einfangen und aus ihr unsere Nahrung machen.

 

Aus: "La condition ouvrière"

 

 

Das Bild des Kreuzes, im Karfreitags-Hymnus mit einer Waage verglichen, könnte zur unerschöpflichen Inspiration werden für die, welche Lasten tragen und Hebel bedienen und am Abend müde sind von der Schwerkraft der Dinge. Auf einer Waage kann ein beträchtliches Gewicht nahe dem Stützpunkt durch ein sehr schwaches Gewicht angehoben werden, das sich in sehr großer Entfernung davon befindet. Der Leib Christi war ein recht schwaches Gewicht, aber durch die Entfernung zwischen der Erde und dem Himmel hat er das Universum aufgewogen. Auf unendlich andere Weise, aber doch ähnlich genug, um als Sinnbild zu dienen, soll auch jeder, der arbeitet, Lasten hebt und Hebel bewegt, mit seinem schwachen Körper Gegengewicht des Universums sein.

 

Aus: „La Condition ouvrière“



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