leben

Zurück

  

"Der Glaube ist die Erfahrung, dass der Verstand durch die Liebe erleuchtet wird."

 

 

 

Adolphine Simone Weil wird am 3. Februar 1909 als zweites Kind  (Bruder Andre Abraham Weil *6.Mai 1906) von Salomea und Bernard Weil in Paris geboren. Die Familie zieht 1912 vom Boulevard de Strasbourg 19 an den Boulevard Saint-Michel 37/III.

       Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wird der Vater eingezogen und nimmt die Familie mit nach Neufchateau in den Vogesen, Mentone, Mayenne, Chartres, Laval und wieder nach Paris. In ihrem jüdischen Elternhaus genießt sie eine humanistische, gleichzeitig vollkommen agnostische Erziehung. Sie liebt Märchen, vor allem die der Gebrüder Grimm. Besonders das Märchen von Goldmarie und Pechmarie beeindruckt sie tief. Bereits mit zehn Jahren schreibt sie „Die Feuerkobolde“, ein Märchen von ungeborenen Seelen, die Mensch werden wollen.

       1921 wird sie zum ersten Mal von schrecklichen Kopfschmerzen überfallen, möglicherweise eine Migräne oder Neuralgie.

       Die Heranwachsende interessiert sich besonders für Mathematik und Philosophie und überlässt es dem Fallen eines Würfels, welches der beiden Fächer sie studieren wird. Die Entscheidung fällt zugunsten der Philosophie.

       1924 wird sie Schülerin von Le Senne am Lycée Victor Duruy,ab Oktober 1925 besucht sie das Lycée Henri IV, wo der Philosoph Alain (Emile Chartier), der Sokrates und Aristoteles sehr schätzt, großen Einfluss auf sie, die sich unwiderstehlich zu Platon hingezogen fühlt, ausübt.             

       Zeitweise sitzt sie lieber rauchend und diskutierend in Cafés als sich auf Prüfungen vorzubereiten, was dazu führt, dass sie ein weiteres Jahr an das Studium hängen muss. 

       1928 wird sie in die Ècole Normale Superieure aufgenommen, ein Jahr später erste Publikationen in Alains „Libre Propos“.  1930 tritt sie einem Sportclub bei und nach einem Rugby-Spiel an einem kalten Wintertag beginnen die lebenslangen, anhaltenden Kopfschmerzen

       Ab 1931 wird sie verstärkt politisch aktiv, hält unentgeltlich Kurse für Arbeiter und versucht sich aus eigener Anschauung ein Bild von den unwürdigen Arbeitsbedingungen vieler ihrer Mitmenschen zu machen. An der normannischen Küste fährt sie auf Fischfang mit, fährt in ein Bergwerk mit ein und arbeitet trotz ihrer manuellen Ungeschicklichkeit und zarten körperlichen Verfassung an Fabrikmaschinen. Sie unterstützt die Forderungen von Arbeitern und Arbeitslosen beim Bürgermeister und im Stadtrat von Le Puy, wo sie ihr erstes Lehramt innehat.

       Dieses „skandalöse“ Verhalten führt zu einer Vorladung der Schulbehörde, der nach einem Streik in Le Puy im Jahre 1932, an dem sie teilnahm und festgenommen wurde, eine zweite Vorladung folgt. Man droht ihr mit Versetzung. Ihr Beiname „Die rote Jungfrau“ stammt aus dieser Zeit. Sie wird im Herbst des gleichen Jahres nach Auxerre strafversetzt. Auch dort stößt ihr unorthodoxer Unterrichtsstil auf Ablehnung seitens der Behörden. Sie engagiert sich vermehrt gewerkschaftlich, nimmt an Demonstrationen teil, interviewt Leo Trotzki und startet Initiativen zugunsten von Flüchtlingen aus Deutschland, was zum Streit mit den Genossen führt. Nach mehrmonatiger Arbeitslosigkeit ist sie am Lycée in Bourges.

Sie entdeckt ihre Liebe für gregorianische Musik und besucht häufig die Kathedrale, um der Frühmesse beizuwohnen.

1936 geht die überzeugte Pazifistin dennoch zu den Republikanern nach Spanien; im September verletzt sie sich beim Kochen durch siedendes Öl schwer.

Die Eltern holen sie aus dem Lazarett nach Hause, und da die Brandwunden nur langsam heilen, bleibt sie vorerst vom Schuldienst beurlaubt. Trotzdem unternimmt sie im Frühjahr 1937 eine Italien-Reise, die sie nach Rom und Assisi führt. 

1938 das erste Ekstase-Erlebnis in der Benediktiner-Abtei Solesmes beim Hören der gregorianischen Messe. Im folgenden Herbst das erste Christus-Erlebnis, das auch zu einer Wandlung ihres Schreibstils führt.

        Als Hitler 1939 in Prag einzieht, gibt sie ihren Pazifismus auf, um für seine Unterwerfung zu kämpfen – ohne Rücksicht auf ihre angeschlagene Gesundheit und ihre berufliche Zukunft.

Sie beginnt 1940 mit der Lektüre der Bhgavadgita und lernt eigens hierfür Sanskrit. Artikel folgt auf Artikel. Während der deutschen Offensive in Frankreich bleibt sie bis zuletzt in Paris und hilft Flüchtlingen.

Nach dem Waffenstillstand zwischen Deutschland und Frankreich am 21./22. Juni  gelangt sie zu Fuß über die Demarkationslinie und weiter zu ihren Eltern nach Vichy.

Ab Oktober ist sie in Marseille Mitarbeiterin an den „Cahiers du Sud“ und arbeitet in der Résistance, verteilt verbotene Schriften,  wird wieder verhaftet und als geistesgestört entlassen. Sie bewirbt sich um ein neues Lehramt und wird von der Vichy-Polizei überwacht.

1941 lernt sie den fast blinden Dominikaner-Superior Pater Jean-Marie Perrin in Marseille kennen, der ihr väterlicher Freund und Ratgeber wird. Sie hilft bei der Landarbeit bei Perrins Freund Thibon.

Im Oktober fährt sie wegen eines amerikanischen Visums nach Marseille und wird dort von der Militärpolizei wegen der Studie über die Frontkrankenschwestern, die sie nach England zu schicken versucht hatte, verhört.

Simone Weil befördert Dokumente der Résistance und  tritt in eine Geheimorganisation ein, die sich als von den Nazis gestellte Falle entpuppt, wird aber als „uninteressant“ wieder freigelassen.

1942 finden Zusammenkünfte eines kleinen Kreises von Freunden in der Krypta eines Dominikaner-Klosters statt, wo sie über ihre Studien über die Pythagoreer, Platon und vorchristliche Christus-Offenbarungen spricht. Der einzige Mensch außer Pater Perrin aber, mit dem sie über ihre eigenen mystischen Erlebnisse spricht, ist der querschnittgelähmte Joe Bousquet.      

        Am 6. Juli 1942 erreicht sie nach vierwöchiger Überfahrt die USA, will aber so bald als möglich wieder nach Europa zurückkehren – am liebsten als Partisanin nach Frankreich.

Am 26. November kommt sie in Liverpool an und wird wegen Spionagegefahr isoliert, bevor es im Januar 1943 weitergeht nach Notting Hill, Holland Park,  31 Portland Road, wo sie für die Forces de la France Libre unter anderem die Schrift „Die Einwurzelung“ verfasst. In den Briefen an ihre Eltern erwähnt sie nichts von ihrer schlechten Gesundheit und hofft weiter, bald als Untergrundkämpferin nach Frankreich zu kommen. Sie weigert sich, mehr zu essen als den Menschen in Frankreich zugeteilt wird.

Im Februar Kapitulation der Deutschen in Stalingrad.

Am 15. April wird Simone Weil ins Middlesex-Hospital eingeliefert, am 17 August von dort ins Grosvenor-Sanatorium in Ashfort/Kent.

Am 24. August stirbt sie an Herzversagen „infolge Herzmuskelschwäche, verursacht durch Hunger und Lungentuberkulose“.

 

An ihrem Begräbnis auf dem Friedhof von Ashfort nehmen acht oder neun Menschen teil – ein Priester ist nicht anwesend, da er den Zug verpasst hatte.

 

 

Ingrid Steffen-Faschon

24. September 2003

 

                                                                                         



Datenschutzerklärung
Eigene Webseite von Beepworld
 
Verantwortlich für den Inhalt dieser Seite ist ausschließlich der
Autor dieser Homepage, kontaktierbar über dieses Formular!