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Studie für eine Erklärung der Pflichten gegen das

Menschliche Wesen

 

 

GLAUBENSBEKENNTNIS

 

 

Es gibt eine Wirklichkeit, die außer der Welt liegt, das heißt außer Raum und Zeit, außerhalb der geistigen Welt des Menschen, außerhalb jeden Bereichs, der den menschlichen Fähigkeiten zugänglich ist.

Dieser Wirklichkeit entspricht im innersten Herzen des Menschen jene Forderung nach einem absoluten Guten, die dort immer wohnt und in dieser Welt niemals ein Ziel findet.

So wird auch hienieden offenbar durch die Absurditäten, die unlösbaren Widersprüche, auf die das menschliche Denken immer dann stößt, wenn es sich nur in dieser Welt bewegt.

Ebenso wie die Wirklichkeit dieser hiesigen Welt die einzige Grundlage der Fakten ist, ebenso ist die andere Wirklichkeit die einzige Grundlage des Guten.

Von ihr allein steigt in diese Welt jedes Gute herab, das dort existieren kann, jede Schönheit, jede Wahrheit, jede Gerechtigkeit, jede Legitimität, jede Ordnung, jede Unterordnung des menschlichen Verhaltens unter Verpflichtungen.

Die einzige Vermittlung, durch die das Gute von dorther zu den Menschen herabsteigen kann, sind unter den Menschen jene, deren Aufmerksamkeit und Liebe auf diese Wirklichkeit außer der Welt gerichtet sind.

Obgleich diese Wirklichkeit von keiner Fähigkeit des Menschen erreicht wird, hat der Mensch die Macht, ihr seine Aufmerksamkeit und seine Liebe zuzuwenden.

Nichts berechtigt jemals zu der Annahme, dass diese Macht einem Menschen, wer immer er sei, entzogen sein könnte.

Diese Macht ist hienieden nur insoweit etwas Wirkliches, als sie ausgeübt wird. Die einzige Vorbedingung zu ihrer Ausübung ist die Einwilligung.

Diese Einwilligung kann ausgedrückt werden. Oder auch nicht, nicht einmal innerlich; sie kann dem Bewusstsein nicht deutlich werden, und dennoch in der Seele wirklich stattgefunden haben. Oft findet sie in Wirklichkeit nicht statt, obwohl Worte sie kundtun. Ausgedrückt oder nicht, die einzige hinreichende Bedingung ist, dass sie tatsächlich stattfindet.

Wer immer tatsächlich einwilligt, seine Aufmerksamkeit und seine Liebe über die Welt hinaus auf die alle menschlichen Fähigkeiten übersteigende Wirklichkeit zu richten, dem wird auch das Gelingen zuteil. Früher oder später steigt dann Gutes auf ihn herab, das durch ihn hindurch auf seine Umgebung ausstrahlt.

Die Forderung nach dem absoluten Guten, die im innersten Herzen wohnt, und die, wenn auch virtuelle, Macht, Aufmerksamkeit und Liebe über die Welt hinaus zu richten und von dorther Gutes zu empfangen, bilden zusammen ein Band, das ausnahmslos jeden Menschen mit der anderen Wirklichkeit verknüpft.

Wer immer diese andere Wirklichkeit anerkennt, anerkennt auch dieses Band. Um seinetwillen gilt ihm jedes menschliche Wesen ohne eine einzige Ausnahme als etwas Heiliges, vor dem er zur Ehrfurcht verpflichtet ist.  

Es gibt nichts anderes, das uns zu einer allgemeinen Ehrfurcht vor allen menschlichen Wesen veranlassen könnte. Welche Formel des Glaubens oder Unglaubens ein Mensch auch gewählt haben mag, der, dessen Herz bereit ist, diese Ehrfurcht zu bekunden, anerkennt tatsächlich eine andere Wirklichkeit als die dieser Welt. Der, dem diese Ehrfurcht tatsächlich fremd ist, dem ist auch die andere Wirklichkeit fremd.

Die Wirklichkeit dieser hiesigen Welt ist aus Verschiedenheiten zusammengesetzt. Ungleichartige Gegenstände reizen dort in unterschiedlichen Graden die Aufmerksamkeit. Ein Zusammentreffen gewisser Umstände oder eine gewisse Anziehung rücken die Person gewisser menschlicher Wesen ins Feld der Aufmerksamkeit. Andere Umstände und ein gewisser Mangel an Anziehung bewirken, dass andere Wesen namenlos bleiben. Sie entgehen der Aufmerksamkeit, oder wenn diese sich ihnen zuwendet, unterscheidet sie nur Bestandteile eines Kollektivs.

Die Aufmerksamkeit, die nur in dieser Welt wohnt, ist der Wirkung dieser Ungleichheiten völlig unterworfen, und kann sich ihr desto weniger entziehen. Als sie sie nicht wahrnimmt.

Inmitten der tatsächlichen Ungleichheiten kann die Ehrfurcht nur dann eine gleiche gegen alle sein, wenn sie auf etwas in allen Gleiches gerichtet ist. Die Menschen sind verschieden in ausnahmslos allen Verhältnissen, die sie mit Dingen verknüpfen, die dieser Welt angehören. Identisch ist in ihnen allen einzig das Vorhandensein einer Verbindung mit der anderen Wirklichkeit.

Alle menschlichen Wesen sind absolut identisch, insofern sie als Wesen verstanden werden können, die aus einer zentralen Forderung nach Gutem bestehen, um welche seelische und körperliche Materie gelagert ist.

Die wirklich über die Welt hinaus gerichtete Aufmerksamkeit tritt in der Tat allein mit der Wesensstruktur der menschlichen Natur in Berührung. Sie allein besitzt eine immergleiche Fähigkeit, auf jedes beliebige menschliche Wesen Licht zu verbreiten.

Wer diese Fähigkeit besitzt, dessen Aufmerksamkeit ist auch in der Tat über diese Welt hinausgerichtet, ob er dessen gewahr wird oder nicht.

Das Band, welches das menschliche Wesen mit der anderen Wirklichkeit verknüpft, ist wie diese jedem Zugriff der menschlichen Fähigkeiten entzogen. Die Ehrfurcht, die es in uns weckt, sobald es erkannt wird, kann ihm selber nicht bezeugt werden.

Diese Ehrfurcht kann hienieden keinerlei unmittelbaren Ausdruck finden. Bleibt sie unausgedrückt, so hat sie keine Existenz. Es gibt eine Möglichkeit, sie mittelbar zum Ausdruck zu bringen.

Die Ehrfurcht, die durch das Band des Menschen mit der Wirklichkeit, die dieser Welt fremd ist, erweckt wird, wird dem teil des Menschen bezeugt, der sich innerhalb der Wirklichkeit dieser Welt befindet.

Die Wirklichkeit dieser Welt ist die Notwendigkeit. Der Teil des Menschen, der sich innerhalb ihrer befindet, ist der Teil, der der Notwendigkeit überantwortet und dem Elend des Bedürfens unterworfen ist.

Für die Ehrfurcht vor dem Menschenwesen gibt es eine einzige Möglichkeit des mittelbaren Ausdrucks, die ihr die Bedürfnisse des Menschen in dieser Welt liefern, die irdischen Bedürfnisse der Seele und des Leibes.

Sie beruht auf einer Verknüpfung, die in der menschlichen Natur zwischen der Forderung nach dem Guten, die das Wesen des Menschen ausmacht, und dem Empfindungsvermögen besteht. Nichts berechtigt uns je, von irgendeinem Menschen zu glauben, dass diese Verknüpfung in ihm nicht vorhanden sei.

Sie bewirkt, dass, wenn das Leben eines Menschen, infolge der Handlungen oder Unterlassungen anderer Menschen, durch eine Verletzung oder Beraubung der Seele oder des Leibes zerstört oder verstümmelt wird, in ihm nicht allein das Empfindungsvermögen diesen Schlag empfängt, sondern ebenso das Verlangen nach dem Guten. Es ist dann ein Sakrileg begangen worden an dem, was der Mensch Heiliges in sich hat.

Die Möglichkeit, der Ehrfurcht vor dem Menschenwesen auf mittelbare Weise Ausdruck zu verleihen, ist die Grundlage der Verpflichtung. Der Gegenstand der Verpflichtung sind die irdischen Bedürfnisse der Seele und des Leibes der menschlichen Wesen, wer immer sie seien. Jedem Bedürfnis entspricht eine Verpflichtung. Jeder Verpflichtung entspricht ein Bedürfnis. Es gibt keine andere Art von Verpflichtung hinsichtlich der menschlichen Dinge.

Glaubt man andere zu erkennen, so sind sie entweder verlogen, oder man hat sie irrtümlicherweise nicht in diese Art eingereiht.

Jeder, der seine Aufmerksamkeit und Liebe tatsächlich auf die der Welt fremde Wirklichkeit gerichtet hält, erkennt zugleich, dass er im öffentlichen wie in seinem Privatleben durch die einzige und immerwährende Verpflichtung gebunden ist, im Bereich seiner Verantwortlichkeiten, und soweit es in seiner Macht steht, bei allen Beraubungen der Seele und des Leibes Abhilfe zu schaffen, die danach angetan sind, das irdische Leben gleichviel welchen menschlichen Wesens zu zerstören oder zu verstümmeln.

Die Schranke, die den Grenzen der Macht und dem Bereich der Verantwortlichkeiten entspricht, ist nur dann legitim, wenn das Mögliche getan wurde, um die Notwendigkeit, die die Schranke setzt, jenen zur Kenntnis zu bringen, die ihre Folgen erleiden, ohne jede Lüge und derart, dass sie ihr zustimmen können.

Kein Zusammentreffen von Umständen entbindet jemals irgendwen von dieser allgemeinen Verpflichtung. Die Umstände, die hinsichtlich eines Menschen oder einer Kategorie von Menschen davon zu entbinden schien, verpflichten uns nur noch nachdrücklicher.

Der Gedanke dieser Verpflichtung geht unter allen Menschen unter sehr verschiedenen Gestalten und in sehr ungleichen Graden der Klarheit um. Die Menschen sind mehr oder minder geneigt, darin einzuwilligen oder sich dem zu verweigern, dass sie diese Verpflichtung sich in allem ihrem Verhalten zur Regel machen.

Die Einwilligung ist meist mit Lüge vermischt. Ist sie ohne Lüge, so ist die Ausführung nicht fehlerfrei. Die Verweigerung lässt ins Verbrechen abgleiten.

Das Verhältnis des Guten und Bösen in einer Gesellschaft hängt einerseits von dem der Einwilligung und der Verweigerung ab, anderseits von der Verteilung der Macht zwischen den Willigen und denen, die sich verweigern.

Jede Macht, gleichviel welcher Art, die in den Händen eines Menschen liegt, der dieser Verpflichtung nicht eine einsichtige, uneingeschränkte und unverlogene Zustimmung erteilt hat, ist eine unangebrachte Macht.

Auf Seiten eines Menschen, der die Verweigerung gewählt hat, ist die Ausübung eines hohen oder niedrigen, öffentlichen oder privaten Amtes, das menschliche Schicksale von ihm abhängig macht, in sich selbst eine verbrecherische Tätigkeit. Mitschuldig machen sich alle diejenigen, die ihn dennoch ermächtigen, dieses Amt auszuüben.

Ein Staat, dessen offizielle Lehre als Ganzes eine Aufforderung zu diesem Verbrechen darstellt, hat sich selber gänzlich dem Verbrechen überantwortet. Ihm bleibt keine Spur von Rechtmäßigkeit.

Ein Staat, der sich nicht auf eine Lehr stützt, die vor allem gegen dieses Verbrechen in all seinen Gestalten gerichtet ist, besitzt nicht dir Fülle der Rechtmäßigkeit.

Einem System von Gesetzen, in dem keine Vorkehrungen getroffen wurden, um dieses Verbrechen zu verhindern, fehlt das Wesentliche des Gesetzes. Ein System von Gesetzen, das Maßnahmen vorsieht, um gewisse Formen dieses Verbrechens zu verhindern, andere jedoch nicht, besitzt nur teilweise den Charakter des Gesetzes.

Eine Regierung, deren Mitglieder dieses Verbrechen begehen oder es bei ihren Untergebenen dulden, begeht Verrat an ihrer Aufgabe.

Jedes Kollektiv, jede Einrichtung, jede Form des Gemeinschaftslebens, deren normales Funktionieren die Ausübung dieses Verbrechens voraussetzt oder herbeiführt, trägt dadurch das Zeichen der Unrechtmäßigkeit an sich, bedarf daher der Reform oder muss abgeschafft werden.

Ein Mensch macht sich zum Mitschuldigen dieses Verbrechens, wenn er als einer, der auf die Richtung der öffentlichen Meinung einen großen, kleinen oder auch nur geringfügigen Einfluss hat, es unterlässt, es jedes Mal zu tadeln, wenn es zu seiner Kenntnis gelangt, oder wenn er sich gelegentlich weigert, es zur Kenntnis zu nehmen, um es nicht tadeln zu müssen.

Ein Land ist an diesem Verbrechen nicht unschuldig, wenn die in ihren Äußerungen nicht eingeschränkte öffentliche Meinung das übliche Begehen dieses Verbrechens nicht tadelt oder wenn, falls keine freie Meinungsäußerung besteht, die heimlich umlaufenden Meinungen diesen Tadel nicht enthalten.

Das öffentliche Leben ist darauf gerichtet, alle Formen der Macht im höchstmöglichen Ausmaß in die Hände derer zu legen, die sich tatsächlich als durch die Verpflichtung gebunden erachten, zu der jeder Mensch gegen alle menschlichen Wesen angehalten ist, und die diese Verpflichtung kennen.

Das Gesetzt ist die Gesamtheit der dauernden Einrichtungen, die geeignet sind, dieses Ziel zu befördern.

Die Kenntnis der Pflicht ist eine doppelte. Sie umfasst die Kenntnis des Prinzips und die Kenntnis der Anwendung.

Da der Bereich der Anwendung durch die menschlichen Bedürfnisse in dieser Welt gebildet wird, ist die Intelligenz aufgefordert, den Begriff des Bedürfnisses zu denken, und mit der ganzen Schärfe, deren sie fähig ist, die irdischen Bedürfnisse der Seele und des Leibes wahrzunehmen, zu unterscheiden und aufzuzählen.

Diese Untersuchung kann jederzeit revidiert werden.

 

 

 

EXPOSÉ DER VERPFLICHTUNGEN

 

Um die Verpflichtungen gegen die menschlichen Wesen konkret zu erfassen und sie in mehrere Verpflichtungen aufzugliedern, genügt es, die irdischen Bedürfnisse des Leibes und der menschlichen Seele zu erfassen. Jedes Bedürfnis ist der Gegenstand einer Verpflichtung.

Die Bedürfnisse eines menschlichen Wesens sind heilig. Ihre Befriedigung kann weder dem Staatsinteresse untergeordnet werden, noch irgendeiner anderen Erwägung, sei es eine des Geldes, der Nation, der Rasse oder der Farbe, noch dem sittlichen oder sonstigen Wert, der der in Frage stehenden Person zugeschrieben wird, noch sonst irgendeiner Bedingung.

Die einzige legitime Schranke der Befriedigung der Bedürfnisse eines bestimmten menschlichen Wesens ist jene, welche die Notwendigkeit und die Bedürfnisse der übrigen menschlichen Wesen setzen. Diese Schranke besteht nur dann zu Recht, wenn den Bedürfnissen aller menschlichen Wesen der gleiche Grad von Aufmerksamkeit zuteil wird.

Die Grundpflicht gegen die menschlichen Wesen gliedert sich in mehrere konkrete Verpflichtungen durch die Aufzählung der wesentlichen Bedürfnisse des Menschengeschöpfes. Jedes Bedürfnis ist Gegenstand einer Verpflichtung. Jede Verpflichtung richtet sich auf ein Bedürfnis.

Es geht ausschließlich um irdische Bedürfnisse, denn nur diese kann der Mensch befriedigen. Es geht um Bedürfnisse der Seele ebenso sehr wie um die des Leibes. Die Seele hat Bedürfnisse, und bleiben diese unbefriedigt, so befindet sie sich in einem ähnlichen Zustand wie ein verhungerter oder verstümmelter Leib.

Der menschliche Körper bedarf vor allem der Nahrung, der Wärme, des Schlafes, der Hygiene, der Ruhe, der Bewegung, reiner Luft.

Die Bedürfnisse der Seele lassen sich in der Mehrzahl zu Paaren von Entgegensetzungen ordnen, die einander aufwiegen und ergänzen.

Die menschliche Seele bedarf der Gleichheit und der Hierarchie.

Die Gleichheit ist die durch die Einrichtungen und Sitten wirksam zum Ausdruck gebrachte öffentliche Anerkenntnis des Grundsatzes, dass den Bedürfnissen aller menschlichen Wesen der gleiche Grad von Aufmerksamkeit zusteht. Die Hierarchie ist die Stufenfolge der Verantwortlichkeiten. Da die Aufmerksamkeit dazu neigt, sich nach oben zu wenden und dort zu verweilen, sind besondere Vorkehrungen nötig, um Gleichheit und Hierarchie tatsächlich miteinander vereinbar zu machen.

Die menschliche Seele bedarf der Einwilligung in den Gehorsam und der Freiheit.

Der Gehorsam der Einwilligung ist jener, den man einer Autorität entgegenbringt, weil man sie für rechtmäßig hält. Er ist unmöglich einer politischen Macht gegenüber, die durch Eroberung oder durch einen Staatsstreich zustande gekommen ist, noch einer ökonomischen Macht gegenüber, die auf dem Gelde ruht. Die Freiheit ist die Ermächtigung zur Wahl innerhalb des Spielraums, den der unmittelbare Zwang der Naturkräfte und die als rechtmäßig anerkannte Autorität dem Menschen lässt. Der Spielraum muss geräumig sein, damit die Freiheit keine Fiktion ist, aber er erstreckt sich ausschließlich auf die unschuldigen Dinge, ohne dass gewisse Formen des Verbrechens jemals statthaft würden.

Die menschliche Seele bedarf der Wahrheit und der Freiheit des Ausdrucks.

Das Bedürfnis nach Wahrheit fordert, dass alle zu den geistigen Kulturgütern Zugang haben, ohne dass sie in materieller oder seelischer Hinsicht verpflanzt werden müssten. Es fordert, dass im Bereich des denkenden Geistes niemals ein materieller oder seelischer Druck ausgeübt wird, der einer anderen Absicht entspringt als der ausschließlichen Bemühung um die Wahrheit; was ein unbedingtes Verbot ausnahmslos jeder Propaganda in sich schließt. Es fordert den Schutz vor Irrtum und Lüge, was jegliche vermeidbare, öffentlich behauptete sachliche Falschheit zu einem strafbaren Vergehen macht. Es fordert einen Schutz der öffentlichen Gesundheit gegen die Gifte im Bereich des Geistes.

Doch die Intelligenz bedarf zu ihrer Ausübung des, dass sie sich ausdrücken kann, ohne dass irgendeine Autorität ihr Schranken setzt. Es muss demnach einen Bereich des reinen intellektuellen Forschens geben, klar abgegrenzt, doch allen zugänglich, und wo keine Autorität sich einmischt.

Die menschliche Seele bedarf des persönlichen und des kollektiven Eigentums.

Das persönliche Eigentum besteht niemals in dem Besitz eines Geldbetrags, sondern in der Aneignung konkreter Gegenstände, wie Haus, Feld, Möbel, Werkzeuge, welche die Seele als eine Verlängerung ihrer selbst und des Körpers betrachtet. Die Gerechtigkeit fordert, dass das so verstandene persönliche Eigentum unveräußerlich ist wie die Freiheit.

Das kollektive Eigentum wird nicht durch einen Rechtsanspruch definiert, sondern durch das Gefühl eines menschlichen Milieus, das gewisse materielle Gegenstände als eine Verlängerung und Kristallisation seiner selbst betrachtet. Dieses Gefühl wird nur durch gewisse objektive Gegebenheiten ermöglicht.

Das Vorhandensein einer sozialen Klasse, die durch das Fehlen von persönlichem und kollektiven Eigentum definiert wird, ist ebenso schändlich wie die Sklaverei.

Die menschliche Seele bedarf der Strafe und der Ehre.

Jedes menschliche Wesen, das durch ein Verbrechen von der Teilnahme an dem Guten ausgeschlossen ist, bedarf dessen, dass es vermittels des Schmerzes in das Gute wieder eingegliedert wird. Der Schmerz soll verhängt werden mit dem Ziel, die Seele dahin zu bringen, dass sie die gerechte Verhängung eines Tages auf freien Stücken einsieht. Diese Wiedereinsetzung in das Gute ist die Strafe. Jedes menschliche Wesen, das unschuldig ist oder das seine Schuld gesühnt hat, bedarf dessen, dass ihm die gleiche Ehrenhaftigkeit zuerkannt wird, wie sie alle anderen besitzen.

Die menschliche Seele bedarf der geregelten Teilnahme an einer gemeinsamen Aufgabe von öffentlichem Nutzen, und sie bedarf der persönlichen Initiative an dieser Teilnahme.

Die menschliche Seele bedarf der Sicherheit und der Gefahr. Die Angst vor der Gewalt, dem Hunger oder jedem anderen äußersten Übel ist eine Krankheit der Seele. Auch die Langeweile, die aus der Abwesenheit jeglicher Gefahr entspringt, ist eine Krankheit der Seele.

Über alles andere hinaus bedarf die menschliche Seele dessen, dass sie in mehreren natürlichen Lebensbereichen verwurzelt ist und durch sie hindurch mit dem Universum in Verbindung steht.

Das Vaterland, die durch Sprache, Kultur, eine gemeinsame geschichtliche Vergangenheit, durch den Beruf, die Örtlichkeit definierten Lebensbereiche sind Beispiele natürlicher Lebensbereiche.

Verbrecherisch ist alles, was ein menschliches Wesen entwurzelt oder es verhindert, Wurzel zu fassen.

Das Kriterium, das uns erlaubt, zu erkennen, ob die Bedürfnisse der menschlichen Wesen irgendwo befriedigt sind, ist eine Entfaltung der Brüderlichkeit, der Freude, der Schönheit, des Glücks. Da, wo Verschlossenheit, Trauer, Hässlichkeit herrschen, liegen Beraubungen vor, die nach Heilung verlangen.

 

 

 

PRAKTISCHE ANWENDUNG

 

Die erste Bedingung dafür, dass diese Erklärung in der Praxis das Leben des Vaterlandes beseele, ist ihre in diesem Sinne erfolgte Anerkennung durch das Volk.

Die zweite Bedingung ist, dass, wer auch immer eine gleichviel wie beschaffene Macht – eine politische, administrative, richterliche, ökonomische, technische, geistige oder sonstige Macht – ausübt oder auszuüben wünscht, sich zu verpflichten gehalten sei, sie zur praktischen Regel seines Verhaltens zu nehmen.

In diesem Fall wird der gleichartige und allgemeine Charakter der Verpflichtung in einem gewissen Ausmaß durch die besonderen Verantwortlichkeiten einer besonderen Machtbefugnis modifiziert. Darum sollte die Formel der Verpflichtung den Zusatz enthalten: „… unter besonderer, aufmerksamer Berücksichtigung der Bedürfnisse der Menschen, die von mir abhängen.“

Die Verletzung eines solchen Gelöbnisses, in Wort oder Tat, soll im Prinzip stets strafbar sein. Doch es wird mehrerer Generationen bedürfen, bis Einrichtungen und Sitten entstehen, die sie in der Mehrzahl der Fälle zu bestrafen erlauben.

Aus der Zustimmung zu dieser Erklärung erwächst eine beständige Bemühung, die Entstehung solcher Einrichtungen und Sitten auf dem schnellsten Wege zu befördern.

 

 



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